Tomaten gehören zu den beliebtesten Gemüsearten in Deutschland, und sie sind gleichzeitig die empfindlichsten: Dauerregen von oben bringt Kraut- und Braunfäule, Hitzestau unter geschlossener Folie kostet den Fruchtansatz. Ein Tomatenhaus löst beides, wenn es die richtige Bauform hat. Dieser Ratgeber erklärt die sechs Bauformen, die es gibt, worauf Sie bei Folie und bei Stegplatten achten müssen, welcher Standort passt und wie lange in der Saison sich der Einsatz lohnt. Eigene Messwerte gibt es hier nicht, wir testen nicht selbst.
Was zeichnet ein Tomatenhaus aus?
Was ist der Unterschied zwischen einem Gewächshaus und einem Tomatenhaus? Prinzipiell keiner, denn die Funktionsweise ist dieselbe. Beide halten die Wärme im Inneren und schaffen bessere Klimabedingungen für die Pflanzen.
Ein Tomatenhaus ist aber kleiner und platzsparender als ein großes Gewächshaus. Damit lassen sich auch auf dem Balkon oder der Terrasse mehrere Tomatenpflanzen unterbringen. Dazu kommt die Bauform: Sie ist auf hoch wachsende Pflanzen ausgelegt, also schmal und hoch statt breit und flach. Viele Modelle haben zusätzlich einen Bereich mit Regalböden, in dem Anzuchtschalen und Jungpflanzen stehen.
Tomaten brauchen viel Licht, reagieren aber empfindlich auf Hitzestau. Deshalb sind Tomatenhäuser meist mit einer halbtransparenten Folie oder mit halbtransparenten Kunststoffplatten ausgestattet: Sie lassen genug Licht durch, nehmen der Mittagssonne aber die Spitze.
Ein weiteres typisches Merkmal ist die hochrollbare Folie beziehungsweise die aushängbare Tür. Damit stehen die Pflanzen praktisch im Freien und sind trotzdem vor Regen geschützt. So lässt sich auch an heißen Tagen weiterarbeiten, ohne dass sich die Luft im Haus staut.
- bessere Klimabedingungen im Inneren durch den Treibhauseffekt
- platzsparend und deshalb auch für Balkon und Terrasse geeignet
- Bauform auf hoch wachsende Tomatenpflanzen ausgelegt
- Regalböden für Anzuchtschalen
- Schutz vor Regen und damit vor Fäule
- halbtransparente Folie oder Stegplatten sorgen für leichten Schatten
- Folie im Eingangsbereich nach oben aufrollbar
Aus welchem Material besteht ein Tomatenhaus?
Es gibt zwei Materialien: Folie oder Kunststoffplatten. Der Unterschied entscheidet über Preis, Haltbarkeit und darüber, wie früh und wie lange im Jahr Sie das Haus nutzen können.
Die günstigen Varianten sind mit einer Gewächshausfolie bespannt. Sie sind leicht, schnell aufgebaut und kosten wenig. Reißfest sind sie nur, wenn die Folie ein Gewebe eingelegt hat, das erkennt man an der Gitterstruktur. Solche Folien halten mehrere Jahre, werden mit der Zeit aber brüchig, und der UV-Schutz lässt nach. Die Folie ist damit ein Verschleißteil: Rechnen Sie damit, sie nach einigen Saisons zu ersetzen, und prüfen Sie vor dem Kauf, ob es für das Modell Ersatzfolie gibt.
Für eine langfristige Verwendung gibt es Tomatenhäuser mit Stegplatten aus Polycarbonat. Die sind robust, halten Hagel besser aus als Folie und sind relativ einfach aufzubauen.
- die meisten Tomatenhäuser bestehen aus Folie
- üblich sind PE-Gitternetzfolien oder transparente PVC-Folien
- reißfest ist eine Folie nur mit eingelegtem Gewebe
- die Folie ist ein Verschleißteil und muss irgendwann ersetzt werden
- die haltbare Variante hat Stegplatten aus Polycarbonat, meist 4 bis 6 mm
- Stegplatten sind bruchfest und halten leichten Hagel aus
Welche Tomatenhaus-Bauformen gibt es?
Es gibt mehrere Möglichkeiten, Tomaten beim Anbau vor Umwelteinflüssen zu schützen. Viele denken zuerst an das geschlossene Tomatenhaus aus Folie, aber es sind sechs Bauformen, und jede hat einen anderen Zweck.
1. Tomatenhaus mit Folie
Die meisten Tomatenhäuser sind Folienhäuser und gehören damit zur übergeordneten Kategorie Foliengewächshaus. Weil die Folie günstig herzustellen ist, sind diese Häuser günstig in der Anschaffung, und es gibt sie in allen Größen: vom kleinen Balkon-Gewächshaus mit einem halben Quadratmeter bis zum Folientunnel mit 18 Quadratmetern und mehr.
Häufig ist auch von einem Tomatenzelt die Rede, weil das Material einer Zeltplane ähnelt. Die vordere Tür wird nach oben aufgerollt und mit Klettverschluss gesichert. Damit das Haus leichten Sturm übersteht, wird es mit Bodenankern und Spannseilen im Boden verankert. Bei den günstigsten Modellen wird die Folie stattdessen eingegraben oder mit Steinen beschwert, das hält deutlich schlechter.
- Gecheer Tomatenhaus, 160 x 400 x 190 cm, 6,4 m²* (rund 118 Euro): lange, schmale Bauform, genau die Grundfläche für eine Reihe Tomaten an der Hauswand. PVC-Folie auf Stahlrahmen.
- NATIV Foliengewächshaus mit 2 Fenstern, 1,54 m²* (rund 45 Euro): kleines Format mit aufrollbarer Tür und zwei Fenstern. Zwei Öffnungen sind bei kleinen Häusern wichtiger als bei großen, weil sich die Luft sonst nicht bewegt.
- VOUNOT Folientunnel 6 x 3 x 2 m, 18 m²* (rund 180 Euro): begehbarer Tunnel für den Gemüsegarten, mit Fenstern und Reißverschlusstüren.
- Ohuhu Foliengewächshaus mit 12 Regalböden, 2,1 m²* (rund 60 Euro): das Modell für den Fall, dass Anzucht und Tomaten im selben Haus stehen sollen.
- WOLTU Balkon-Gewächshaus mit 3 Ablagen, 0,34 m²* (rund 24 Euro): der Einstieg für den Balkon, für zwei bis drei Pflanzen.
2. Tomatenhaus mit Stegplatten
Diese Bauform besteht aus halbtransparenten Stegplatten, meist aus hartem, bruchfestem Polycarbonat, in Verbindung mit einem Rahmen aus Aluminiumprofilen. Das ergibt eine in sich sehr stabile Konstruktion.
Durch die bessere Isolierung der Stegplatten lässt sich das Haus auch an kühleren Tagen nutzen, also früher im Jahr und später in den Herbst hinein. An sehr heißen Tagen lassen sich die Türen flügelseitig öffnen oder komplett aushängen, dann steht die Pflanze fast im Freien und ist nur noch überdacht.
Günstig sind diese Häuser nicht. Wer sich einmal dafür entschieden hat, hat dafür über viele Jahre Freude daran, weil außer den Dichtungen nichts verschleißt.
- Beckmann Tomatenhaus PLH, Größe 1, 1,23 m²* (rund 432 Euro): Alu-Rahmen silber, Fertigung in Deutschland, Ersatzteile über Jahre nachbestellbar. Die kompakte Bauform für eine Handvoll Pflanzen an der Wand.
Weitere Modelle und Größen dieser Bauart stehen auf der Herstellerseite von Beckmann.
3. Tomatendach, also das offene Tomatenhaus
Diese Bauform ist ringsherum offen und schützt nur durch die Überdachung vor Regen von oben. Deshalb heißt sie kurz Tomatendach. Der Vorteil: Es kann sich keine Hitze stauen, und die Luft bewegt sich frei, was Pilzkrankheiten entgegenwirkt. Der Nachteil: Bei stärkerem Regen und Wind werden die Pflanzen von der Seite feucht.
Achten Sie bei dieser Bauform darauf, dass sich eine zusätzliche Seitenfolie anbringen lässt. Dann haben Sie beides: den offenen Betrieb im Sommer und einen geschlossenen Schutz, wenn eine Woche Dauerregen ansteht.
- Beckmann Schutzdach PSN1, 1,12 m²* (rund 107 Euro): das kleinste der Reihe, für eine kurze Reihe Tomaten.
- Beckmann Schutzdach PSN5, 5,60 m²* (rund 107 Euro): dieselbe Bauart über fünfmal der Fläche, zum praktisch gleichen Preis. Wenn der Platz da ist, ist das die deutlich bessere Rechnung.
4. Alu-Gewächshaus für die Anzucht von Tomaten
Auch ein normales Gewächshaus aus Aluminiumprofilen kann als Tomatenhaus dienen. Diese Häuser sind stabil und eignen sich durch die bessere Isolierung auch für den Einsatz im Winter. Die Wände bestehen dafür aus Stegplatten, in der Winterklasse aus 10 mm oder 16 mm starken Platten.
Der Vorteil gegenüber dem reinen Tomatenhaus: Es passen neben den Tomaten noch andere Kulturen hinein, und die Nutzung endet nicht mit der Tomatensaison. Der Nachteil: Ein geschlossenes Haus braucht konsequentes Lüften, weil sich die Hitze sonst staut. Ein automatischer Fensteröffner ist hier sinnvoller als bei jeder anderen Bauform.
- Zelsius Alu-Gewächshaus 8,17 m², 6 mm, mit Fundament* (rund 480 Euro): das Stahlfundament ist im Preis enthalten. 8 m² sind genug für Tomaten plus Gurken und Anzucht.
Die ganze Rubrik steht unter Alu-Gewächshaus, alles zur ganzjährigen Nutzung im Ratgeber Winter-Gewächshaus kaufen.
5. Frühbeet für Tomaten-Jungpflanzen
Auch ein Frühbeet lohnt sich für die Tomatenaufzucht, und zwar am Anfang: von Februar bis in den April, wenn die Nächte noch kalt sind. Mit einem Heizkabel oder einer Heizmatte im Frühbeet lassen sich dafür passende Bodentemperaturen erzeugen.
Ein Frühbeet ist damit ausdrücklich nur für die Anzucht von Sämlingen und Jungpflanzen gedacht. Sobald die Tomatenpflanzen größer werden, müssen sie in ein höheres Haus umziehen, denn ein Frühbeet ist flach. Alles dazu steht im Ratgeber Frühbeet kaufen.
- Beckmann Frühbeet Typ Allgäu FT3, Größe 1, 1,08 m²* (rund 347 Euro): 16 mm Stegplatten, nach Herstellerangabe hagelfest. Für die frühe Anzucht die beste Isolierung im Bestand.
- Frühbeet Magnolia III, Aluminium und Polycarbonat, 180 x 51 x 51 cm* (rund 60 Euro): das günstige Einstiegsformat, schmal genug für den Balkon.
6. Tomatenvlies beziehungsweise Tomatenhaube
Hierbei handelt es sich um eine Haube aus dünner Folie, die über die einzelne Pflanze gestülpt wird. Der Vorteil: Jede Pflanze ist einzeln geschützt, und die Übertragung von Krankheiten von Pflanze zu Pflanze wird erschwert.
Eine Tomatenhaube ist sinnvoll, wenn Sie nur einzelne Pflanzen haben und ein ganzes Tomatengewächshaus überdimensioniert wäre. Sie ersetzt kein Haus, sie schützt vor Regen auf den Blättern und vor Nachtkühle.
- Euflor Tomatenhaube, mitwachsend, 5 Stück, 1,25 m* (rund 19 Euro): UV-stabil, für fünf Pflanzen. Die günstigste Form von Tomatenschutz überhaupt.
Welche Kriterien sollte ein gutes Tomatenhaus erfüllen?
Ein gutes Tomatenhaus muss den Pflanzen während des Wachsens gute Bedingungen bieten, über die Bauweise, das Material und die Belüftung. Die Außenhaut sollte UV-Strahlung dämpfen, wasserabweisend sein und aus reißfestem Gewebe oder bruchfestem Kunststoff bestehen. Damit bietet ein Tomatenhaus auch bei Wind und Starkregen Schutz. Sind die Pflanzen dem Regen dauerhaft ausgeliefert, fördert das Pilzkrankheiten.
Für alle Bauformen gilt außerdem: Sie müssen sich leicht und schnell öffnen und schließen lassen. Das ist an heißen Tagen entscheidend, denn in einem geschlossenen Folienhaus sammelt sich die Hitze und die Luft zirkuliert nicht. Und das Haus sollte vor Kraut- und Braunfäule, Mehltau und Schädlingen schützen, also von oben dicht und unten geschlossen sein.
Tomatenhaus aus Folie: darauf kommt es an
- Folie mit UV-Schutz: Die Folie ist deshalb meist nicht völlig durchsichtig. Bei zu starker Sonne bekommen sonst die Früchte Sonnenbrand.
- Reißfeste Folie: erkennbar an der eingewebten Gitterstruktur.
- Wasserfeste Folie: Auch bei starkem Regen darf kein Wasser ins Innere gelangen.
- Abschließende Folie im Bodenbereich: Sie hält Schädlinge draußen.
- Einfach zu öffnen: Die Tür sollte als Rollo ausgeführt sein, damit das Haus an heißen Tagen dauerhaft offen bleiben kann.
- Rostfreies Gerüst: Aluminium, verzinkte Stahlrohre oder stabiler Kunststoff.
- Stabiles Gerüst: Die Stäbe dürfen sich nicht verbiegen oder knicken.
- Ausreichende Höhe: mindestens 1,80 m, damit Sie und die Pflanzen Platz nach oben haben.
- Ausstattung für die Anzucht: ein Regaltisch oder Anzuchtregal, wenn Sie auch Sämlinge ziehen wollen.
- Leichte Montage: Das Haus sollte sich abbauen und im Winter verstauen lassen.
Tomatenhaus mit Alu-Rahmen und Stegplatten: darauf kommt es an
- Wärmedämmende Eindeckung: mindestens 6 mm Stegplatten, damit das Haus mit einer Heizung auch im Winter nutzbar ist.
- UV-Schutz durch die Platten: Die Stegplatten sollten UV-Strahlung filtern.
- Gute Belüftung: ausreichend Öffnungen, am besten mit automatischem Fensteröffner, damit die Temperatur auch bei Abwesenheit geregelt wird.
- Aushängbare Türen: Die Türen sollten weit zu öffnen oder auszuhängen sein, für die Nutzung an heißen Tagen.
- Hochwertige Verarbeitung: Keine scharfen Kanten an den Platten, sonst drohen beim Aufbau Schnittwunden.
- Dicht und wasserfest: Bei starkem Regen müssen die Platten dicht abschließen.
- Geringe Spaltmaße: zu große Spalten lassen Schädlinge herein.
- Rostfreies, stabiles Grundgerüst: Aluminium oder verzinkter Stahl.
- Ausreichende Höhe: auch hier mindestens 1,80 m.
- Ausstattung für die Anzucht: Regaltisch oder Anzuchtregal.
Für die Stegplatten-Variante sind die Häuser von Beckmann bei Hobbygärtnern verbreitet, weil sie viele dieser Punkte erfüllen und sich erweitern lassen, zum Beispiel mit einem automatischen Fensteröffner. Zubehör dazu steht in der Rubrik Gewächshaus-Zubehör.
Einen guten Standort für das Tomatenhaus finden
Stellen Sie das Tomatenhaus sonnig auf, denn Tomaten wachsen bei viel Sonne und Wärme am besten. Windgeschützt sollte es außerdem sein, also am besten in Haus- oder Garagennähe. Das schützt bei Folienhäusern gleich doppelt, weil der Wind die eigentliche Belastung für Folie und Gestänge ist.
Ist Ihr Gelände abfallend, achten Sie darauf, dass sich keine Staunässe bildet. Die vertragen Tomaten nicht. Mehr zur Standortwahl und zur Ausrichtung steht im Ratgeber Gewächshaus-Standort.
Zu welcher Jahreszeit lohnt sich ein Tomatenhaus?
Ein einfaches Tomatenhaus wird von April bis September genutzt, maximal bis Oktober. Dann ist die Tomatensaison vorbei. Eine gekaufte Tomatenüberdachung können Sie nach der Saison säubern und dank der Stecksysteme im Keller oder Gartenhaus lagern.
Sie können das Haus aber auch stehen lassen und für Pflanzen nutzen, die im Winter etwas Schutz brauchen. Die Folie hält kalten Wind ab, und mit einer Gewächshausheizung lässt sich Wärme halten. Das gilt allerdings nur für Pflanzen, die leichten Frost vertragen, denn auch unter der Folie fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Wer wirklich frostfrei überwintern will, braucht eine andere Bauform, siehe Winter-Gewächshaus kaufen.
Nutzen Sie ein Frühbeet für die Anzucht, geht es schon ab Januar los. Und wenn im Frühjahr die neue Saison beginnt: Tauschen Sie die Erde aus oder arbeiten Sie Kompost ein, dann stehen wieder genug Nährstoffe zur Verfügung. Bei Tomaten ist das besonders wichtig, weil die Erreger der Braunfäule im Boden überdauern.
Kurz zusammengefasst
- Sechs Bauformen, drei Zwecke: Folie und Stegplatten für den Anbau, Tomatendach für den Regenschutz ohne Hitzestau, Frühbeet für die Anzucht, Haube für einzelne Pflanzen.
- Folie ist günstig und ein Verschleißteil, Stegplatten sind teuer und halten. Beides ist eine legitime Entscheidung.
- Reißfest heißt: eingewebtes Gitter. Ohne das reißt die Folie beim ersten Sturm.
- Lüften ist bei Tomaten kein Detail, sondern der Grund, warum aufrollbare Türen und aushängbare Flügel überhaupt gebaut werden.
- Mindestens 1,80 m Höhe, sonst stoßen die Pflanzen und Sie selbst an.
- Sonnig und windgeschützt aufstellen, Staunässe vermeiden.
Die vollständige Auswahl steht in der Rubrik Tomatenhaus, die passenden Pflanzzeiten im Ratgeber Gewächshaus bepflanzen.
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