Anzuchtwärme im Gewächshaus
Wärme von unten für die Anzucht: Heizmatten, Heizkabel und Thermostat - Keimtemperaturen, Stromverbrauch und wo die Methode an Grenzen stößt.
Top 3 Anzuchtwärme
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Anzuchtwärme im Gewächshaus
Nicht jede Wärme im Gewächshaus muss den ganzen Raum betreffen. Für die Anzucht kommt es fast ausschließlich auf die Temperatur im Substrat an, nicht auf die Lufttemperatur. Genau hier setzt Anzuchtwärme an: Sie beheizt gezielt die Aussaatfläche und lässt den Rest des Gewächshauses kalt.
Was zeichnet Anzuchtwärme aus?
Unter Anzuchtwärme fasst man alle Geräte zusammen, die Wärme von unten in den Wurzelraum bringen. Gebräuchlich sind drei Bauformen:
- Heizmatten aus beschichteter Kunststofffolie mit eingelegtem Heizleiter, die
unter Anzuchtschalen oder Töpfe gelegt werden. Übliche Größen reichen von 25 x 50 Zentimetern bis etwa 60 x 120 Zentimetern, die Leistung liegt meist zwischen 15 und 100 Watt.
- Heizkabel, die schlangenförmig in Sand oder in ein Anzuchtbeet eingelegt
werden. Sie eignen sich für feste Anzuchttische und größere Flächen.
- Beheizbare Zimmergewächshäuser, bei denen Heizmatte, Schale und Haube eine
Einheit bilden.
Gemeinsam ist allen: Der Stromverbrauch ist gering. Eine 50-Watt-Matte, die über ein Thermostat nur zeitweise läuft, verbraucht in einer Anzuchtsaison typischerweise weniger als eine einzige Frostnacht mit einer Gewächshausheizung.
Wie funktioniert Anzuchtwärme?
Im Inneren der Matte oder des Kabels liegt ein Heizleiter, der die eingesetzte Energie vollständig in Wärme umsetzt. Die Wärme geht direkt in den Topfboden und von dort ins Substrat. Ohne Regelung hebt eine Heizmatte die Substrattemperatur um etwa fünf bis zehn Grad über die Umgebungstemperatur an - bei zwölf Grad im Gewächshaus also auf rund achtzehn bis zweiundzwanzig Grad.
Zuverlässig wird das erst mit einem Thermostat, dessen Fühler im Substrat steckt und nicht in der Luft hängt. Damit lässt sich die Keimtemperatur je Kultur treffen:
- Chili, Paprika, Tomate und Aubergine keimen bei etwa 22 bis 28 Grad
- Gurke, Kürbis und Melone bei etwa 20 bis 24 Grad
- Salat, Kohl, Zwiebeln und viele Kräuter bei etwa 12 bis 18 Grad
Salat keimt bei zu viel Wärme sogar schlechter. Eine Abdeckhaube hält zusätzlich die Feuchte, muss aber täglich gelüftet werden, damit sich kein Kondenswasser auf den Keimblättern sammelt.
Sobald die Sämlinge aufgelaufen sind, wird die Wärme zurückgenommen und das Licht wichtiger als die Temperatur. Bleibt es warm und zugleich zu dunkel, wachsen die Sämlinge lang und dünn und kippen um.
Vor- und Nachteile
Dafür spricht:
- sehr geringer Stromverbrauch, weil nur die Aussaatfläche beheizt wird
- schnellere und gleichmäßigere Keimung, weniger Ausfälle durch kaltes, nasses
Substrat
- Vorkultur lässt sich um mehrere Wochen vorziehen
- auch für Stecklinge und zum Antreiben von Knollen nutzbar
- kleine Geräte, die außerhalb der Saison wenig Platz brauchen
Dagegen spricht:
- heizt das Gewächshaus nicht und ersetzt keinen Frostschutz
- ohne Thermostat besteht die Gefahr, das Substrat zu überhitzen
- das Substrat trocknet schneller aus, es muss häufiger kontrolliert werden
- ein Stromanschluss mit feuchtraumgeeigneter Steckdose ist Voraussetzung
- nach dem Keimen muss die Wärme heruntergefahren werden, sonst vergeilen die
Sämlinge
Für wen ist Anzuchtwärme geeignet?
Anzuchtwärme lohnt sich für alle, die im Februar oder März mit der Vorkultur beginnen und dabei wärmebedürftige Arten aussäen - Chili und Paprika sind die klassischen Fälle, weil sie im kalten Substrat oft gar nicht oder sehr ungleich keimen. Ebenso sinnvoll ist sie für die Stecklingsvermehrung, bei der warme Füße und kühle Luft die Bewurzelung fördern.
Wer dagegen sein Gewächshaus über den Winter frostfrei halten oder Kübelpflanzen überwintern möchte, braucht eine echte Gewächshausheizung. Beides schließt sich nicht aus: Eine Heizung sichert den Raum gegen Frost, die Heizmatte sorgt im Frühjahr für die Keimtemperatur.
Fazit
Anzuchtwärme ist die günstigste Art, im Gewächshaus früher anzufangen. Eine Heizmatte mit Thermostat und einem Fühler im Substrat kostet wenig, verbraucht wenig und entscheidet bei wärmebedürftigen Arten darüber, ob eine Aussaat gelingt. Sie ersetzt aber keine Heizung: Sobald es um Frostschutz für den ganzen Raum geht, ist eine elektrische Gewächshausheizung oder eine Gasheizung zuständig.


